Ein Schloss an der Leine

Bereits im Mittelalter gab es eine Burg in Neustadt auf dem Rouwenberge (später: Rübenberge). Ab 1573 ließ Erich II. von Braunschweig-Lüneburg das Weserrenaissance-Schloss Landestrost nach französischen und italienischen Vorbildern an dieser Stelle errichten.

Neustadt und die Welfen

1302 kaufte der Welfe Herzog Otto der Strenge die Grafschaft Wölpe mit der Stadt Neustadt. Die Welfen integrierten in der Folgezeit mit großer Wahrscheinlichkeit das alte feste Haus der Wölper in das Vorwerk einer neuen Burg. Sie entstand auf einer quadratischen Wallanlage und war von einer Landwehr umgeben. Der welfische Herzog Erich I. von Braunschweig-Lüneburg wurde 1470 auf dieser Burg geboren. Er entschied sich 1495 durch einen Erbteilungsvertrag für das sich herausbildende Fürstentum Calenberg-Göttingen. Neustadt als Teil von Calenberg diente unter der Regierung von Erich I. und später Elisabeths als Stätte der Hofhaltung.

Die Erbauung von Schloss Landestrost und der Festungsanlage

Erich II. ließ Schloss Landestrost von 1573 bis 1584 als seinen dritten repräsentativen Bau im Stil der Renaissance errichten. Er hatte bereits die Schlösser in Uslar (1559, 1612 abgebrannt) und in Hannoversch-Münden (1562) erbauen lassen. 

Schloss Landestrost war nicht nur als herzogliche Residenz konzipiert, sondern auch als Festungsanlage. Sie umfasste das gesamte Stadtgebiet. Zu ihr gehörten Bastionen und Kasematten, von denen heute noch die Südbastion mit Kasematte und Reste am Erichsberg erhalten sind.

Erich II. von Braunschweig-Lüneburg

  • 1528 Geburt auf der Erichsburg als zweites Kind von Elisabeth und Erich I., drei Geschwister (Elisabeth, Anna Maria, Katharina)
  • 1545 Erich II. heiratet Sidonia von Sachsen in Münden. Er wird 1546 mündig und übernimmt die Regierung von seiner Mutter, kehrt zum Katholizismus zurück.
  • ab 1548 häufige Reisen nach Spanien, 1556 Bestallungsvertrag mit Philipp II. von Spanien, Tätigkeit als Söldnerführer, erhält als Pfand: 1558 Woerden (NL) durch Philipp II., 1569 Grafschaft Clermont (F) mit Burggrafschaft Creil (F) durch Katharina von Medici. Die Schlossbauten von Uslar und Münden werden möglich.
  • 1573 erhält Erich den Orden vom Goldenen Vlies durch Philipp II.
  • Geburt seiner außerehelichen Kinder Wilhelm (1567) und Katharina (1569)
  • 1575 stirbt Sidonia nach langen Verdächtigungen der Zauberei gegen ihren Mann im Kloster Weißenfels, Erich heiratet Dorothea von Lothringen in Nancy.
  • Nach dem Tod Erichs 1584 durch Lungenkatarrh in Pavia, fällt Calenberg im selben Jahr an Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Dreißigjähriger Krieg bis heute

Nach dem Tod von Erich II. 1584 ließ Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel die Bauarbeiten weiterführen. Das Schloss verlor seine Residenzfunktion, da Herzog Julius‘ Hauptresidenz in Wolfenbüttel lag. Während des Dreißigjährigen Kriegs belagerten ca. 500 Mann der Katholischen Liga unter Graf Tilly von 1626 bis 1635 die Anlage und gestalteten die Räume zu ihren Zwecken um.

Herzog Georg befreite das Schloss, verlegte 1636 seine Residenz nach Hannover und trat das Amt Neustadt an seinen Bruder ab. Danach war das Schloss bis zur Bildung des Kreises Neustadt am Rübenberge im Jahr 1885 nur noch Sitz des Amtmanns und diente z.B. als Übernachtungsstation für durchreisende Fürsten. Der Amtmann als Stellvertreter des Herzogs war für die Bewirtschaftung des Amtshofes und die Verwaltung zuständig.

1891 wurde die Kreissparkasse im Schloss untergebracht, wo sie bis zur Errichtung eines Neubaus an der Stelle des alten Südflügels der Schlossanlage verblieb. 1957/58 entstand südlich davon ein weiterer Anbau für die Unterbringung der Kreisverwaltung.

Seit ihrer Gründung 1997 ist die Stiftung Kulturregion Hannover Eigentümerin des Schlosses Landestrost in Neustadt am Rübenberge, das vom damaligen Landkreis Hannover (heute Region Hannover) in das Stiftungsvermögen mit eingebracht wurde. Erhalt und Pflege des Schlosses ist Stiftungsaufgabe.

Restaurierung des Schlosses seit 1985

Zwei große Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen haben Schloss Landestrost zu einem Ort für vielseitige Kulturveranstaltungen gemacht und die Nutzfläche für Eigennutzungen und Vermietungen vergrößert.

Die erste Maßnahme (1985–1991) war die Wiederherstellung des Großen Saals im 1. OG und die Freilegung von Resten der ursprünglichen Deckenbemalung, die sich an vielen Stellen findet. Zudem wurde der gesamte Ostflügel mit Stahlträgern gesichert und ein Eindruck der einstigen Dachgestaltung nachempfunden.

Die jüngste Sanierung (2012–2014) machte den Nordflügel, der bis 2007 als Wohntrakt diente, der Öffentlichkeit zugänglich. Seitdem ist ein unkomplizierter barrierefreier Zugang zu den Kulturveranstaltungen möglich.

Das Schloss beherbergt inzwischen eine Vielzahl von Institutionen und Firmen, die das historische Gemäuer beleben und zu einem attraktiven Anlaufpunkt in der Region machen.